Vor ein paar Tagen bin ich mit der Bahn von München nach Köln gefahren. Vier Stunden. Ok. Es war um die Mittagszeit und ich setzte mich erst mal ins Bistro, um eine Suppe zu essen. Die Suppe war gut und da ich kein Frühstück hatte, aß ich die gleiche Suppe noch einmal. Bis dahin nichts besonderes. Irgendwann wurde der Zug voll und immer mehr Leute kamen ins Bistro.
Zunächst setzte sich eine ältere Dame zu mir (71, wie ich später erfahren sollte). Wir kamen ins Gespräch und sie wollte alles über ihr Smarphone wissen. Wie läuft das mit „What’s App“? Wie kann man die Bilder vom Smartphone auf den Fernseher bringen? Und vieles mehr.
Die Dame war derart interessiert, dass ich wirklich neugierig wurde. Sie sagte dann, dass es ihr um die Unabhängigkeit gehe, die sie mit dem Smart-Phone erlange. Wann fährt eine Bahn, wie geht’s den Enkeln? Alles flott über’s Smartphone geklärt.
Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass die Dosis darüber entscheidet ob etwas Heilmittel oder Droge ist.
Irgendwann gesellte sich ein kleiner untersetzter Mann zu uns. Die ältere Dame und der Herr schienen sich schon im Abteil begegnet zu sein und er setzte sich schließlich neben mich. Irgendwann ging das Gespräch dann weiter mit der Dame und es ging um Kinder und Enkel.
Irgendwann sagte dann der kleine untersetzte Mann, der sich gerade ein Bier bestellt hatte, dass ihm das ja von berufswegen nicht erlaubt sei. Ich sah ihn nur an und dachte, was könne das denn für ein Beruf sein? Er grinste und sagte, daß er Pater in einem Kloster sei und gerade von seinem Urlaub zurück käme.
Ist das nicht abgefahren? Da sitze ich mit einem 71-jährigen Smartphone-Fan und einem Bier trinkenden Priester!
Das war dann auch richtig lustig und ging sogar soweit, dass der Pater anfing mir ein Lied vorzusingen, was er umgedichtet hat. Mitten in einem brechend vollen Bistro! Das war wirklich lustig!
Dann sagte er auf einmal, dass er ein anatomisches Phänomen sei. Auch hier wußte ich wieder nicht was er wollte und er sagte: „Ja, meine beiden Knie sind am Arsch!“ Ich meine, man kann den Gag jetzt gut oder schlecht finden, aber das von einem katholischen Priester im Zug nach Hause zu hören (er sagte echt „Arsch“!) ist schon geil.
Und natürlich kam irgendwann das Gott-Thema. Logo! Und das war das eigentlich bemerkenswerte an diesem Herren. Er sagte, dass er mit zunehmendem Alter (als Pater!) immer mehr Zweifel bekomme und hoffe, dass er seinem Glauben bis zum Ende seiner Tage treu bleiben könne. Das fand ich echt stark.
Ich habe ihm dann erzählt, dass ein berühmter Philosoph einmal gesagt habe, dass er nur an einen Gott glauben würde der zu tanzen verstünde. Das gefiel ihm sehr und wir hatten darauf hin eine wirklich entspannte Unterhaltung – ohne irgendwelche Vorbehalte bezüglich der Meinung oder des Glaubes des anderen. Wirklich schön.
So schnell und bemerkenswert können vier Stunden vergehen.
Ich habe – entgegen meines ursprünglichen Plans – nicht eine Minute gearbeitet.
Und das war gut so.