
Ehemaliges Teil eines Elefanten.
Nun, Reiseberichte sind ja immer so eine Sache. Häufig sind die Bilder türkis, die abgebildeten Protagonisten gut gelaunt und es ist immer alles super. Blödsinn! Selbst die Bayern gewinnen nicht jedes Spiel, und so ist es eben auch auf Reisen. Nicht jeder Tag ist super. Man ist auch mal genervt, nicht gut drauf oder es laufen Sachen einfach maximal schief. Nennen wir es beim Namen: auch im Urlaub gibt es Scheißtage.
Wir hatten vergangenen Mittwoch einen solchen.
Meistens fängt so ein weniger guter Tag mit einer weniger guten Nacht an. Unsere Kinder waren nachts sehr unruhig; wir haben auch nicht gut geschlafen, was dazu führte, daß wir schon weniger lustig aufgestanden sind. Wetter war auch irgendwie nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten (es gab echt ein bisschen Regen!). Hmmm. Und so beginnt schon der Tag nur auf 3 Zylindern.
Wir sind dann nach dem Frühstück mit so mittelguter Laune zum Proviant fassen nach St. Francis und dann weiter in Richtung Stormsriver.
Pfffffffffffff….
Kurz vor unserem Ziel fing es dann auf einmal an am Wohnmobil zu qualmen und zu scheppern und wir bekamen heftige Winkzeichen von dem Fahrzeug was uns gerade überholt hatte.
„Was issen jetzt los?“

Ohne Worte.
Vorne links war der Reifen komplett zerstört und wir sind wohl eine Zeit lang auf der nackten Felge unterwegs gewesen. Das fiel erst einmal gar nicht so auf, weil die Straße auch mit ordentlichen Reifen sehr holprig war. Kacke! Das Tolle war, daß uns die „Überholer“ mächtig geholfen haben beim Wechseln des Reifen.
Die beiden Männer, die gerade auch mit ihren Frauen zum Stormsriver Park wollten, sagten nur: „We are farmers, we will help you!“. 20 Min. später war das Ersatzrad drauf und wir konnten die letzten Meter zu unserem Campingplatz bestreiten. Puuuh. Ich hätte da alleine locker über eine Stunde gewerkelt.
Doch dann ging es irgendwie unglücklich weiter. Auch die Kinder waren einfach nicht gut drauf. Sohnemann hat nur gemeckert, Töchterchen war die meiste Zeit zickig und so konnte es keiner keinem so richtig recht machen.
Essen und Trinken
Schließlich ging es auch noch ans Essen und Trinken. Beides Dinge, die einen ja auch wieder versöhnlich stimmen können. An diesem Tag nicht. Die Steaks, die wir frisch gekauft hatten, waren ungenießbar. Den Brokkoli habe ich komplett versalzen und so ging das weiter.
Es ist einfach nichts so richtig gelungen. Auch die Dinge nicht, bei denen ich mich normalerweise absolut sicher fühle, wie z.B. das Öffnen einer Weinflasche – hunderfach geprobt! Hierbei brach mir an diesem Tag der Korken im Hals ab und ich mußte das verbliebene Stückchen in die Flasche drücken. Das habe ich das letzte mal mit 17, langen Haaren und Lambrusco aus dem Aldi gemacht! Lecker! Als ich dann das Weinglas nehmen wollte, fiel es mir aus der Hand. Kaputt.
Spiderman & Co.
Später ist Frauchen auch noch ihr Handy runter gefallen. Display am Arsch – Grüße von Spiderman. Und so reihte sich heute ein Ungeschick an das nächste. Auch der hintere linke Reifen scheint mit fröhlicher Kontinuität Luft entweichen zu lassen. Prima!
Irgendwann später, als auch das Selbstmitleid ein wenig abgeklungen war, konnten wir dann auch wieder über den ganzen Mist lachen.
Für den Rest des Abends haben wir uns Sturzhelme und feuerfeste Kleidung angezogen. Man weiß ja nie…
Von Dur, Mol und Mistkäfern
Bei allem was unglücklich gelaufen ist, muß man festhalten, daß wir an diesem Tag eine fantastische Wanderung gemacht haben (das war zwischen Reifenplatzer und verdorbenem Steak). Töchterchen ist wirklich eine sehr Steile Strecke (600 Stufen) alleine gelaufen; wir sind über Hängebrücken gegangen und durften tolle Natur erleben. Außerdem stehen wir mit unserem Tommy direkt am Meer und hatten selten einen großartigeren Ausblick.
Viele Mol-Akkorde heute (obglich man meist hat ja selbst die Hände auf der Klaviatur hat), aber glücklicherweise blitzten zwischendrin auch einige laute Dur-Harmonien auf. Wir haben den Tag schließlich überlebt und uns am nächsten Tag deutlich besser gelaunt in Richtung Plettenberg aufgemacht. Davon später mehr.
Am Ende ist es wie mit dem wohlgeformten Dunghaufen vom Titelbild, auch dieser ist außerordentlich nützlich. Frag mal den Mistkäfer…