Nach der Toskana haben wir dann einen langen Schlag nach Rom gemacht. Wir haben unseren Richie auf einen Campingplatz nahe der Stadt abgestellt und sind in eine zentrumsnahe Ferienwohnung gezogen. Das ewige rein und raus in einer 3 mio. Stadt ist einfach nervig und wir dachten so den Puls der Stadt besser wahrnehmen zu können.
Es wurde auch schon so vieles über Rom geschrieben, daß man das hier nicht wiederholen muß. Die Stadt ist einfach ein einziges Museum. Bei Trip Advisor gibt es fast 800 eingetragene Sehenswürdigkeiten und fast 1.500 Aktivitäten. Selbst Nummer 720 wäre in anderen Städten unter den TOP 10.
Mich erschlägt das ehrlich gesagt ein wenig. So viel Schönheit und Kultur empfinde ich fast als anstrengend, weil dies eben auch automatisch mit einem „Überfluß“ an Menschen einher geht. Meiner Familie ging es ähnlich. Kaum eine Ecke in der einmal Ruhe und Frieden herrscht. Überall Handys und Kameras, Händler die einem ihre Selfie-Arme oder andere Dinge, die man auf keinen Fall braucht, ins Gesicht strecken.
Kultur trifft Selbstverteidigung.
Diese Menschenmassen, die sich hier durch die Gassen drücken und vor den Sehenswürdigkeiten ansammeln sind einfach unfassbar.
Auf diese Weise kann man selbst die tollste Sehenswürdigkeit nicht wirklich genießen. Als würde man ein tolles Musikstück über zerfetzte Lautsprecher hören. Schwierig. Glücklicherweise findet man aber auch immer wieder in dem unendlichen Labyrinth von Gassen auch die ein oder andere versteckte Osteria mit Kinderstuhl, die mit Freuden gestressten Touristen abseits der Highways ein leckeres Mahl zubereiten. Wasser in der Wüste.
Rom ist wunderschön, aber wahrscheinlich nur im Winter zu besuchen (!?), wenn einem weniger Menschen erlauben das Gebotene auch genießen zu können.
Ich finde das hat fast etwas tragisches. Das Schöne kann, weil es schön ist nicht wirklich genossen werden…
Nebenbei bemerkt: Was ich auch nicht verstehe und was gar nicht nur etwas mit Rom zu tun hat, aber hier besonders auffällt, ist die Tatsache, daß viele Geschäfte einer Disco gleichen. Ich brauchte Schuhe und wir sind in ein Geschäft, was viele moderne Schuhe feilbot. Wir sind nach exakt 0,47 Minuten wieder raus, weil es einfach zu laut war. Ich hätte da Schuhe gefunden, aber es gab kaum eine Chance mich mit meiner Frau zu verständigen, ob der oder eine anderer Schuh möglicherweise interessant gewesen wäre.
Erst Wohnwagen, dann im Geschäft zu laut? Wir werden wohl alt.
Witzigerweise ist uns das auch in anderen Geschäften so ergangen. Selbst in solchen die nicht ansatzweise etwas jugendliches oder „hippes“ verkörpern. Ehrlich, ich versteh das nicht und glaube auch nicht daß das hilft.
Es ist wirklich traurig, daß laut modern und leise uncool ist. Ich meine, wenn man einen alten Frack mit möglichst lautem Hip-hop beschallt wir daraus kein Kaputzenpulli mit „Fuck you“-Aufschrift!
Irgendwie geht das in die falsche Richtung…
Gestern ging es dann (endlich) wieder zu unserem Richie und dann weiter Richtung Amalfi-Küste. Dort haben wir einen kleinen Bauernhof mit nur 7 Stellplätzen, 2 Duschen und jeder Menge Viehzeug gebucht. Der Kontrast könnte wohl kaum krasser ausfallen.
Das wir in jedem Fall spannend…