Nun, liebe Freunde des fünften Ganges. Nach nun über drei Wochen auf Tour in Italien kann man festhalten, daß es grundsätzlich einfach ist dieses Land zu lieben. Natur, Kultur, Menschen und natürlich das wunderbare Essen sind in Kombination kaum auszuhalten. Doch das alles bekommt einen anderen Schlag, wenn man einen Fuß bzw. Reifen auf öffentliche Straßen setzt. Daher hier einige gutgemeinte Tipps wie man heil durch Italien kommt.
Man sollte vor Reiseantritt in jedem Fall Entspannungstechniken (Yoga, Meditation, autogenes Training, …) erlernen. Tabletten sind auch ok. Warum? Man braucht einfach verdammt gute Nerven!
Der gemeine Italiener verändert sich irgendwie, wenn er erst einmal den Schuhlöffel gezückt und seine 12-köpfige Familie in seinem Fiat 500 verstaut hat. Verkehrsregeln werden eher als unverbindlicher Vorschlag verstanden. Doppelt durchzogenen Linien dienen primär der klareren Abgrenzung der beiden Fahrbahnen und laden durch die gewonnene Deutlichkeit selbstverständlich zu jedwedem Überholmanöver ein.
Wer an der Kreuzung nicht drängelt wird angehupt, weil der dahinter folgende Fahrer nicht in vorderster Front so drängeln kann wie er gerne würde.
Auch Zebrastreifen dienen primär dazu, das triste Grau des holprigen Asphalts mit lustigen weißen Streifen zu unterbrechen und haben nichts damit zu tun, daß man als naiver Passant hier die Straße überqueren könnte. Selbst mit Kinderwagen, was ja gelegentlich sogar für den ungestümtesten Fahrzeugführer ein Grund zur Milde sein kann, funktioniert das überhaupt nicht. Es ist eher Grund für den Fahrer noch flott über den weißen Straßenschmuck zu huschen, weil ja sonst die ganze Bagage (ein Kinderwagen kommt ja selten ohne Familie) die wilde Fahrt weiter verzögern könnte.
Dazu kommt generell eine grundsätzliche Enge und Kurvigkeit, die man aus Deutschland so nur in den abgelegensten Schwarzwaldeinöden kennt. Da will man zum Glück ja aber auch in der Regel nicht hin. In Italien hat man das aber eben häufig gerade da, wo man tatsächlich gerne hin will!
Ich meine, wenn man einen Fiat 500 hat, der so verbeult ist, als hätte die italienische Nationalmannschaft darauf Torwandschießen gemacht, dann ist das alles auch kein Problem, aber mit einem einigermaßen ordentlichen Auto mit Wohnwagen…?!
Und auch wenn man den Wohnwagen einfach einmal weg lässt, dann isses immer noch unheimlich eng, eng, eng. Und meist ist der Weg dahin wo es schön ist eben was? Genau: Eng! Scheiße ist das.
Das hat zu Situationen geführt wie auf neben stehendem Bild und das ist der zweite Tipp: Verlass Dich ja nicht auf Dein Navi! Wir landeten schließlich in einer Gasse, die selbst mit einem normalen Mittelklasse-PKW nicht zu machen war. Ein Italiener half uns dann raus und sagte: „No, no, no, forget Navi in Italy.“. Schönen Dank.
Glücklicherweise hatten wir keinen Wohnwagen hinten dran! Wir hätten weder unser Auto verlassen, noch in den Wohnwagen rein gekonnt (war halt zu eng) und hätten wohl von der hiesigen Feuerwehr mit großem Gerät rausgeschnitten werden müssen. Aber ist ja noch einmal gut gegangen.
Ich bin mir sicher, daß Italiener ein ähnlich erotisches Verhältnis zu Autos haben wie wir Deutschen, aber nicht zwingendermaßen zu dem eigenen. Ein nicht zu unterschätzender Unterschied!
All das würde reichen, aber das ganze wird noch gekrönt durch Myriaden von Motorrollern, die einem wie ein Schwarm Wespen um den Arsch fahren. Zum Teil sitzt auf so einem schreienden Ding eine ganze Familie samt Großeltern und fahren mit Kind und Kegel kreuz und quer. Es ist ein wahrlich glücklicher Umstand, daß es überhaupt noch Italiener gibt und nicht alle beim Roller fahren drauf gegangen sind. Ehrlich!
Nun, und das bringt mich wieder zum Anfang meines kleinen Beitrages: Man muß einfach das ganze locker nehmen und die Nerven behalten. Das Land und die Menschen sind einfach wundervoll. Ich meine der Köbes in Kölner Brauhäusern (so nennt man bei uns den Kellner, Anm. der Redaktion) ist auch selten freundlich und das gehört eben so.
In diesem Sinne,
Viva Italia!