Auf nach Apulien!

Apulien. So hieß die Quell all unserer Hoffnung nachdem wir zuvor Kalabrien und die Westküste weniger erfrischend fanden. Doch da war es auch erst einmal ähnlich schwierig in der Vorsaison einen ordentlichen Stellplatz zu finden. Ähnliches Problem wie vorher. Entweder zu oder wenn geöffnet, dann nur in Notbesetzung und nicht annähernd mit den Möglichkeiten, die auf den Webseiten angepriesen wurden. Auch hier begegneten wir ähnlichen „Geisterstädten“ wie zuvor im Westen.

Es macht in jedem Fall Sinn – sofern man die Einsamkeit nicht explizit sucht – in der Vorsaison Plätze anzusteuern, die in der Nähe einer Stadt sind, die auch ohne Tourismus ein Leben hat, ansonsten wird es eher trist.

Letztlich haben wir irgendwann einen schönen Campingplatz gefunden, der auch Mitte Mai schon weitgehend in Gang war. Mit großem Pool und nur einen Katzensprung von Gallipoli entfernt. Ein wirklich nettes Städtchen mit schöner Altstadt und „echten“ Einwohnern. Das hat einfach gut getan, weil wir einfach auch Lust auf ein wenig Leben hatten. Hier waren wir dann auch ganze 10 Tage. Hatten einen riesen Pool für uns, ein nettes Städtchen in der Nähe und nette Leute um uns. Klasse!


Kölner!

Das Beste war allerdings, daß wir bei einem Ausflug auf einen anderen Campingplatz plötzlich an einem zufällig ausgewählten Strandzugang den magischen Buchstaben von einem Nummernschild aufblitzen sahen. Da war es das „K“. Menschen aus Köln inkl. Tochter in ähnlichem Alter wie die unsere. Mega!
Der Rest ist Geschichte. Eine halbe Stunde später saßen wir gemeinsam beim Kaffee, die Mädels haben zusammen gespielt und wir haben uns dann später gemeinsam auf unserem Campingplatz eingefunden und einige wirklich tolle Tage miteinander verbracht, die auch in Köln eine Fortsetzung finden werden. Einfach super!


Italian Beat
Was allerdings wirklich ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, ist der italienische Tagesrhythmus, der hier im Süden noch einmal ausgeprägter gelebt wird als wir das vom Norden her kennen.

Fast alle Geschäfte haben von 13-17h zu, fast kein Restaurant war offen und wenn es öffnete, dann nicht vor 19.30h. Schwierig. Die meisten italienischen Familien gehen eben nicht vor 21h essen. Da hängen unsere schon mit dem Kopf schlafend in der Bolognese oder sind schlicht verhungert.

 

Freunde
Dann kam die Zäsur. Bisher waren wir ja immer alleine unterwegs. Doch nun kamen zwei gemeinsame Wochen mit Freunden aus Köln. Auch das noch  ;-).

Und ab mit 4 Erwachsenen und nun fünf Kindern in den Robinson Club Apulien! Unser Wohnwagen konnte da parken und wir sind gemeinsam für eine Woche in den Club eingezogen. Eine wirklich willkommene Abwechslung. Und auch hier will ich nicht mit zu vielen Details langweilen, aber so eine Woche Club mit Roby & Co. ist gelegentlich eine feine Sache, weil alle so ein wenig auf ihre Kosten kommen. Die Kids haben sich und Roby, wir ein wenig mehr Ruhe und Zeit für uns. Quatschen, sporteln oder einfach rumliegen.


Danach ging es dann gemeinsam mit der ganzen Truppe in unser nächstes Feriendomizil, in ein Trulli-Anwesen – zweite gemeinsame Woche.


Trulli, so heißen im übrigen die Häuser mit Zipfelmütze wofür spezielle Teile Apuliens bekannt sind. Die wirklich originalen haben z.T. Wände, die einen Meter dick sind. Das ist wie mit den dicken Männern: Im Sommer viel Schatten, im Winter viel warm. 😉


Das war so derart am Arsch der Welt, daß kaum ein normales Auto durch die Einfahrt gepasst hat. Hat man das erst mal geschafft, dann wurde man belohnt mit einem unglaublichen Anwesen: super Pool, wunderbar ausgestattete Zimmer und einer Außenküche, die keine Wünsche übrig ließ: Grill, Steinofen, Gasherd, Kühlschrank und sogar Geschirrspüler gab es. Das Paradies muß ähnlich aussehen. Ich hoffe die Bilder geben das annähernd wieder.


Als die beiden gemeinsamen Wochen zu Ende waren, waren wir alle ein wenig traurig, doch das Leben muß ja weiter gehen und wir haben beschlossen noch ein wenig in der Region zu bleiben, weil es Ecken gab, die wir dachten noch sehen zu müssen. Also, auf den nächsten Campingplatz und weiter…

Das war ein kapitaler Fehler. Es war nämlich Wochenende!

LAUT
Am Wochenende auf ein „Camping Villagio“ in Süditalien für Nicht-Italiener zu fahren ist gelinde gesagt eine schwierige Sache und gleicht einem Überlebenstraining. Diese Camping-Dörfer sind am Ende nichts anderes als italienische Urlaubs Clubs mit Campingmöglichkeit und allem was dazu gehört: Animation, Disco, Sport und und und.

Am Wochenende kommen dann alle (Dauer-)Camper aus der Region mit Sack und Pack und machen einen los. Aber so richtig. Ich denke, daß ein MANOWAR Konzert nicht annähernd an die Lautstärke ran kommt, die wir so am frühen Abend um uns hatten.

Der gemeine Italiener (Sorry!) ist auch einfach laut. Eine normale Unterhaltung klingt wie ein Streit bei dem man das Gefühl hat, daß gleich der gegenüber mit der Pizza geknebelt oder der Spaghetti stranguliert wird.
Da wird auch zur Mittagszeit mal gerne über den halben Platz geplärrt, um Angelo und Giovanni noch etwas von höchster Wichtigkeit mitzuteilen.
Auch die italienischen Kinder haben bis weit nach Mitternacht derart Radau gemacht, daß ich zwei mal die Security gerufen habe, weil keine Sau schlafen konnte.

Das Schlimme ist, daß ich mir wie ein totaler Spießer vor kam, aber auch wollte daß unsere Kinder schlafen können, um am nächsten Tag nicht als Zombies umher zu irren. Schwierig, schwierig… 

Es ist Wochenende, jeder soll Spaß haben, aber wenn um 1.00h immer noch geschrien wird als hätte jedes Kind ein Messer im Bein, dann ist das auch irgendwann für die entspannteste Familie zu viel.

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Einer der Gründe warum wir noch ein paar Tage bleiben wollten: Ausflug zu den Trulli-Häusern in Albarobello!

Zwischendrin gab es zudem immer noch einmal die Verprobung der möglichen Lautstärke der Wohnwagen-Hifi-Anlage. Kein Witz! Alle paar Minuten kam aus irgendeiner Ecke 115db für ungefähr 1,5 Minuten. Dann wieder normal (meistens „Despasito“ oder etwas was genauso klingt).

Um einmal Herbert Grönemeyer zu zitieren: „Was soll das?“. Das fühlte sich an als hätte man akustisch Revier markieren wollen. Musikalisches gebrunze hat wirklich kein Mensch nötig, der grundsätzlich über Körperbehaarung verfügt. Ehrlich.

Zu allem Überfluß fand hinter unserem Wohnwagen – und wir sprechen von ein und dem selben Nachmittag/Abend – auch noch eine Geburtstagsparty statt. Das war gewissermaßen der zweite Presslufthammer neben dem Wohnwagen.

„Beruhigt euch, die müssen um 0.00h leiser machen!“, wurde uns gesagt. Na dann ist ja gut!

Wir saßen da und konnten es einfach nicht fassen.

Wir hatten jedenfalls schnell genug und sind dann einfach nur noch geflüchtet. Zwei lange Schläge Richtung Norden und wir sind schließlich in Venetien angekommen. Ein bisschen Strand, mal ab nach Venedig, lecker Essen. Wirklich schön.


Abschließend kann man sagen, daß der Norden Italiens für uns besser funktioniert. Hier ist der Rhythmus nicht so extrem und wir konnten hier einfach besser an Land und Leute „andocken“ und haben uns schlicht wohler gefühlt. 

Weiter ging es dann zum Gardasee wo wir dann auch langsam wieder in Richtung Köln schielen mußten.

Time flies…

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Unseren Hummer Freund hätten wir beinahe vergessen!

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